Die Akkorde in einer Tonleiter
Ein Dreiklang besteht aus Grundton, Terz und Quinte. Nimm dafür jeden zweiten Ton einer Tonleiter: Ein festes Muster aus Dur- und Mollakkorden entsteht. Das verbindet Tonleitern mit den Akkorden, über die du improvisierst.
Die Tonleiter liefert Töne, die Tonart ein Zuhause
Eine Tonleiter ist eine geordnete Folge von Tönen. Eine Tonart ist ein musikalischer Zusammenhang, in dem ein Ton und sein Akkord als Zentrum wirken. C-Dur und natürliches A-Moll teilen sieben Töne, haben aber mit C und Am unterschiedliche Zentren. Die weißen Tasten allein erklären deshalb noch nicht die Richtung einer Akkordfolge.
Für unser erstes Experiment wählen wir C-Dur und beginnen und enden auf C. So machen wir C zum Zuhause. Das ist ein Hörversuch, keine Regel, dass jedes Lied auf I beginnen oder enden muss.
Woher kommen Dur und Moll?
In C-Dur ergibt C–E–G die Abstände 0–4–7: einen Durdreiklang. D–F–A ergibt 0–3–7: einen Molldreiklang. Beide verwenden jeden zweiten Ton der Tonleiter, doch das Halbtonmuster erzeugt verschiedene Terzen. Von B aus entsteht B–D–F, also 0–3–6: ein verminderter Dreiklang.
Diese Abstände werden vom jeweiligen Akkordgrundton gemessen, nicht immer von C. Ein einzelner Buchstabe wie C bezeichnet hier Dur; m bezeichnet Moll und dim oder ° einen verminderten Akkord.
Die römische Zahl ist die Adresse des Akkords in der Tonart
Beginne mit C-Dur: C, D, E, F, G, A, B. Nummeriere die Töne von 1 bis 7. F ist Ton 4. Nimm jeden zweiten Skalenton ab F: F–A–C. Das ist F-Dur. IV bezeichnet diesen Akkord auf Stufe 4, nicht vier Töne oder den vierten gespielten Akkord.
Große Zahlen stehen hier für Dur, kleine für Moll, ° für vermindert. Stufe 2 ergibt D–F–A: Dm, also ii. Das Muster in Dur lautet I–ii–iii–IV–V–vi–vii°: in C-Dur C, Dm, Em, F, G, Am, Bdim.
Ein Akkord, verschiedene Rollen
Spiele G–B♭–D. Ab G sind die Abstände 0, 3 und 7 Halbtöne: ein Moll-Dreiklang, Gm. Damit ist der Akkord benannt, aber noch nicht die Tonart der Musik.
Warum ist Gm ii in F-Dur? Schreibe die F-Dur-Tonleiter auf: F–G–A–B♭–C–D–E. G ist der zweite Ton. Nimm jeden zweiten Skalenton ab G: G–B♭–D. Der Grundton liegt auf Stufe 2, also II; weil der Akkord Moll ist, schreiben wir klein: ii. Nicht B♭ allein bestimmt die Rolle — F wurde als tonales Zentrum gewählt.
In G-Moll ist G das Zentrum, derselbe Gm-Akkord also i. In B♭-Dur ist G die sechste Stufe, Gm also vi. Akkordtöne und Name bleiben gleich, die Stufenzahl hängt von der Tonart ab. Auch die Umkehrung B♭–D–G bleibt Gm und in F-Dur weiterhin ii.
Probiere Gm–C7–F und danach Gm–Cm–D7–Gm. Im ersten Beispiel kann Gm ii–V7–I in F-Dur beginnen. Im zweiten ist Gm das Zuhause in G-Moll; D7 enthält F♯, den erhöhten Leitton, der in Moll häufig zurück nach G weist. Halte den Schlussakkord etwas länger und vergleiche die Ruhepunkte.
Ein Werkzeug muss deshalb „Du spielst Gm“ von „Gm könnte ii in F-Dur sein“ unterscheiden. Letzteres ist ein möglicher Zusammenhang. Für eine Erklärung deines Spiels brauchen wir mehr vom Verlauf oder eine von dir gewählte Tonart.
Mit welchen Akkorden kann ich anfangen?
Baue auf jedem Skalenton einen Dreiklang aus jedem zweiten Ton der Tonleiter. In C-Dur entstehen C, Dm, Em, F, G, Am und Bdim. Diese diatonischen Akkorde bestehen nur aus den Tönen der Tonleiter. Sie sind eine überschaubare erste Auswahl, keine Liste der einzig erlaubten Akkorde.
Beginne mit C, F und G: I, IV und V. Spiele C–F–G–C mit je vier Schlägen. C wirkt als Zuhause, F führt weg und G kann zurück nach C weisen. Probiere dann C–Am–F–G. Am teilt C und E mit dem C-Akkord und ergänzt eine weichere Mollfarbe innerhalb von C-Dur.
Nicht alle Akkorde einer Tonart sind gleich stabil, und gemeinsame Skalentöne machen nicht jede Reihenfolge gleich überzeugend. Melodie, Rhythmus, Bass und die Erwartung aus dem Vorherigen wirken mit.
Dasselbe Muster in einer anderen Tonart
I–IV–V–I ergibt C–F–G–C in C-Dur. In G-Dur zählen wir ab G: G, A, B, C, D, E, F♯. Jetzt ist I = G, IV = C und V = D: G–C–D–G. C ist also I in einer Tonart und IV in der anderen. Die Stufenzahl beschreibt die Beziehung zur Tonart statt einer festen Klaviertaste.
Probiere Übungen 05 und 06 unter Übungen. Nenne Akkord und Stufe beim Zuhören. Übung 07 ergänzt vi und ii: Mollakkorde aus derselben Durtonleiter.
Von einer Melodie zu passenden Akkorden
1. Suche ein mögliches Zuhause: Auf welchem Ton klingt die Melodie abgeschlossen? Betrachte ihre Töne und probiere eine passende Dur- oder Molltonart. Der erste oder letzte Ton ist ein Hinweis, kein Beweis.
2. Wechsle zunächst langsam, etwa einmal pro Takt. Achte besonders auf lange Melodietöne und betonte Schläge. Suche zuerst Akkorde der Tonart, die diese Töne enthalten. E kann in C-Dur über C = C–E–G, Am = A–C–E oder Em = E–G–B liegen. Jeder Akkord färbt E anders.
3. Spiele die Melodie über jedem Kandidaten und höre auch auf den Akkord davor und danach. Zu E–F–G–E, jeweils ein langer Ton pro Takt, kannst du C–F–G–C versuchen. Das ist eine mögliche Begleitung, keine eindeutige Lösung.
4. Nutze Umkehrungen für bequemere Wechsel. Ein kurzer Ton zwischen Akkordtönen kann ein Durchgangston sein; nicht jeder Melodieton braucht einen neuen Akkord. Auch lange akkordfremde Töne können bewusst Spannung erzeugen.
Grundton und Basston sind nicht dasselbe
C–E–G und E–G–C sind beide C-Dur. C bleibt der Grundton, auch wenn E in der zweiten Form unten liegt: C/E.
Als einzelner Ton bezeichnet die Tonika das Zentrum der Tonart. Der Tonikaakkord steht auf diesem Zentrum. Ein G-Akkord in C-Dur hat also G als Grundton, während die Tonika der Tonart C bleibt.
Ein weiterer Ton schafft Richtung
Eine zusätzliche Terz ergibt einen Septakkord. C–E–G–B ist Cmaj7; G–B–D–F ist G7. B und F in G7 bewegen sich häufig nach C und E im C-Akkord. So entsteht eine deutliche Möglichkeit für Spannung und Auflösung. Das ist eine häufige Bewegung, keine Verpflichtung.
Eine Septime umfasst sieben Stammtöne. In Cmaj7 liegt B elf Halbtöne über C: eine große Septime. In G7 liegt F zehn Halbtöne über G: eine kleine Septime. maj7 und 7 bedeuten also Verschiedenes. Ein Durdreiklang mit kleiner Septime heißt Dominantseptakkord. In C-Dur kann G7 als Dominante zur Tonika C führen.
Wenn ein Akkord einen fremden Ton verwendet
D-Dur enthält F♯ und gehört deshalb nicht zu den diatonischen Dreiklängen von C-Dur. Trotzdem kann C–D–G–C funktionieren: D weist auf G, G auf C. D ist hier eine Zwischendominante, V von V. Der fremde Ton trägt zur Richtung bei und ist nicht automatisch ein Fehler.
Beginne mit diatonischen Akkorden und erweitere die Auswahl dann Akkord für Akkord. Der Quintenzirkel erklärt Grundtonbeziehungen, bedeutet aber nicht, dass nur benachbarte Akkorde zusammenpassen.
Probiere es am Klavier
Probiere Übungen 05–07: C–F–G–C, dieselben Stufen in G-Dur und danach Mollakkorde. Singe E–F–G–E über C–F–G–C, einen Ton pro Takt. Höre, wo Melodie und Harmonie zu Hause wirken.
C–E–G
Synthetischer Klang.
Prüfe dein Verständnis
Prüfe dein Verständnis
Welcher Akkord entsteht auf der zweiten Stufe von C-Dur?
Du kennst jetzt die Töne eines Akkords. Aber welches C, E und G wählst du auf dem Klavier? Darum geht es als Nächstes.
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